Leseprobe zum 2. Advent aus - Der blaue Stab -

Er drückte die Tür sachte mit der flachen Hand auf. Der geringe Lichteinfall gab die Sicht auf eine Kellertreppe frei. Mit äußerster Vorsicht streckte Samuel zuerst seinen Kopf nach vorn und guckte blitzartig hinter die Tür. Im Dunkeln machte er dort jedoch nur eine kleine Garderobe an der Wand aus. Nochmals schaute er zurück in die Garage, dann wieder auf die Treppe. Sein Herz klopfte wie wild. Seine Neugier war wieder einmal größer als die Furcht. Mit leisen Sohlen schlich er die schmalen Treppenstufen hinab, ohne auch nur eine Kleinigkeit zu erkennen. Mit den Händen fuhr er die Wände entlang und fühlte sich dabei ziemlich unbehaglich. Seine Sinne waren auf das äußerste angespannt und sein Herz pumpte das Blut mit viel Kraft durch die Adern.
Mit der linken Hand spürte Samuel eine Kante. Hier musste die Wand zu Ende sein. Mit der Spitze des linken Schuhs tastete er sich soweit wie möglich nach vorne. Da keine weitere Stufe mehr folgte, musste er den Fußboden erreicht haben. Immer noch tapste Samuel in völliger Dunkelheit umher. Ärger stieg in ihm hoch. So ein Schwachsinn hier ohne Taschenlampe einzusteigen, dachte er sich. Gefühlsmäßig tastete er sich Zentimeter für Zentimeter voran. Ging es von hier aus weiter hinunter oder wieder hinauf?, fragte er sich. Dann hatte Samuel eine glatte Fläche vor sich. Sie war kalt und fühlte sich metallisch an. Ah, er ertastete eine kalte Klinke und drückte sie vorsichtig nach unten. Verschlossen. „Scheiße“, fluchte er leise.
Gerade war sein Ausruf verstummt, hörte Samuel Stimmen. Da unterhielten sich mindestens zwei Personen. Sie kamen näher. Er vernahm die Stimme eines Mannes, der laut fluchte. Dann wurde mit einem lauten Knall die Tür zum Keller geschlossen. Panik stieg in ihm hoch, er tastete sich durch den Raum zurück bis zur Treppe und hörte wie jemand etwas über den Garagenboden schob oder zog. Es waren ruckartige Geräusche und dann wurde ihm klar, was da gerade geschah. Jemand verriegelte die Tür. Panisch stürzte er die Treppe hinauf, ohne zu sehen wo sie hinführte. Schnaufend erreichte Samuel die Tür und schlug wie wild dagegen. Das einzige was er noch hörte, war das sich langsam entfernende Motorengeräusch des Autos. Er brüllte so laut er konnte. „Hallo, hallo, machen Sie die Tür auf“. Aber da war keiner mehr, der ihm antwortete. Samuel war gefangen!


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